Von unserem Mitglied, der Interessengemeinschaft Ostbahn (ostbahn.de), erhielten wir einen Hinweis auf den Artikel ‚Güterverkehr auf der Ostbahn/Welches Potential die Strecke zwischen Berlin und Polen hat‚ in der Märkischen Oderzeitung (MOZ).
Seitens der Bundesregierung wurde zwar die Ostbahn im Bundesverkehrswegeplan aufgenommen, jedoch nicht im vordringlichen Bedarf. Etwas im Widerspruch dazu wird vom Bund wiederholt ausgeführt, der Ausbau der Ostbahn sei ein Projekt des Nahverkehrs und daher von den Ländern Berlin und Brandenburg zu bestellen.
Abb. ↓: Hier der Kopf des MOZ-Artikels vom 19.08.2026 und darunter einige Aufnahmen, die der IGOB vom Redakteur der MOZ, Peter Grenz, freundlicherweise überlassen wurden. 

Im MOZ-Artikel wird auf zunehmenden Güterverkehr, etwa nach Müncheberg und dortigen Umschlag von Baustoffen für Windparks und andere Baustellen hingewiesen. Auch Holztransporte finden wieder auf der Ostbahn statt, die entsprechend die Straßen in der Region entlasten. Nennenswert sind die Transporte des Baustoffherstellers Cemex in Rüdersdorf. Die DB AG wird zitiert mit der Aussage, die Ostbahn nähme im Schienengüterverkehr aktuell nur eine ergänzende Funktion ein, was an der überwiegenden Eingleisigkeit und fehlender Elektrifizierung läge. Die Havelländische Eisenbahn AG (HVLE) führt hingegen aus, dass nach einem Ausbau der Ostbahn die Leistungsfähigkeit erheblich gesteigert wäre, so dass die Ostbahn Kapazitäten für den wachsenden Güterverkehr auf den europäischen Ost-West-Korridoren schaffen und den Grenzbahnhof Frankfurt/Oder und seine Zulaufstrecken entlasten könne.
Abb. ↓: Aufgrund Sperrungen der Frankfurter Bahn werden immer wieder Züge auch über die Ostbahn umgeleitet, allerdings aufgrund der Eingleisigkeit sehr begrenzt. Hier ein Containerzug östlich des Bf Berlin-Kaulsdorf. Foto, 07-2026: Sigmar Weber

Zuletzt wurde dazu in der Beantwortung einer Kleinen Anfrage aus dem Bundestag vom BMV erklärt: „Eine Bedeutung für den überregionalen Schienengüterverkehr weise die Strecke in der Eisenbahnverkehrsprognose 2040 nicht auf, lediglich zwischen Biesdorfer Kreuz Ost und Fredersdorf verkehre nennenswert lokaler Schienengüterverkehr. […] Die Oderbrücke bei Küstrin sei vorsorglich bereits für eine nachträgliche Elektrifizierung dimensioniert worden“. (Drucksache 21/8266). Ferner wird mitgeteilt: „Die Bahnstrecke Berlin–Küstrin (Ostbahn) ist in dem für militärische Transporte auf europäischer Ebene vom Europäischen Rat am 26. Juni 2023 und 23. Oktober 2023 gebilligten europäischen militärischen Verkehrsnetz nicht enthalten. […] Mit der derzeit im Ausbau befindlichen Strecke von Berlin über Angermünde in Richtung Szczecin bestehe darüber hinaus künftig ein weiterer elektrisch befahrbarer Streckenabschnitt in Richtung Nordwestpolen.“ (Drucksache 21/6676)
Tatsächlich ist jedoch die Ostbahn nicht nur für den Schienen-Personennahverkehr (SPNV), sondern auch für den Schienen-Personen- und -Güterverkehr (SPFV und SGV) national – und international in Richtung Nordpolen und Baltikum – wichtig. Darüber hinaus zeigt sich immer wieder, dass die Ostbahn auch als Umleitungsstrecke für die häufig überlastete Frankfurter Bahn Berlin – Frankfurt/Oder dienen muss, siehe Foto oben. Bei im Rahmen der Verkehrswende zunehmenden Verkehren ist die elektrifizierte und duchgehend zweigleisige Ostbahn unverzichtbar, um statt der Überlastungen der Frankfurter Bahn einen betrieblich und verkehrlich gebotenen Verkehr auf dem europäischen Ost-Korridor zu ermöglichen. Im Regionalverkehr würde die ausgebaute Ostbahn die Bedienung von wichtigen Siedlungsachsen und die polnisch-deutschen Verkehre erheblich verbessern.
Im Abgeordnetenhaus von Berlin war die Ostbahn Thema im Ausschuss für Mobilität und Verkehr (Ausschussprotokoll 19/66 vom 28.01.2026). Staatssekretär Arne Herz (SenMVKU) führte aus: Die Ostbahn selbst sei einer der Prüfkorridore im Projekt i2030. Folglich werde die Ostbahn grundsätzlich als notwendig für die Metropolregion Berlin-Brandenburg erachtet. Grundlagenplanungen, die eine Definition der Projektziele ermöglichten, seien bislang jedoch nicht erstellt worden. Da der Ausbau der Ostbahn neben Verbesserungen für den Regionalverkehr weiteren Nutzen für den Güterverkehr, internationale Züge Richtung Polen und zunehmend auch für die Militärlogistik stiftete, sei der Ostbahnausbau im Bedarfsplan des Bundes gelistet. Der Anzuhörende Vertreter der IHK Berlin erklärte: Hinsichtlich der Ostbahn seien die Elektrifizierung und der zweigleisige Ausbau aus Sicht der IHK genauso wichtig, wie es auch im Koalitionsvertrag niedergelegt sei. Selbstverständlich müsse die Planung mit Polen koordiniert werden. Es brauche eine Priorisierung bei der Bundesfinanzierung parallel zu i2030.